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111 Jahre Frauenbund in Bad Reichenhall










111 Jahre Frauenbund in Bad Reichenhall,

das ist schon eine ganz schön lange Zeit. Nur sechs Jahre vorher war der Katholische Frauenbund in Deutschland gegründet worden. Wie war das wohl damals, vor 111 Jahren, für die Frauen aus Reichenhall? Wir wollen Sie auf eine kleine Zeitreise mitnehmen. Stellen Sie sich vor, wir schreiben das Jahr 1909, das Gründungsjahr des Reichenhaller Frauenbunds, es ist der 27. April 1909 ...

1909
Der Führerschein wird eingeführt, im deutschen Reich gibt es ein Nachtarbeitsverbot für Frauen und 1.432 Frauen schreiben sich in Deutschland an der Uni ein. Allerdings dürfen sie noch keine Prüfungen oder Abschlüsse machen.

Im britischen Unterhaus werden mehr oder weniger radikale Frauen, sogenannte Sufragetten, verhaftet. Auch in Deutschland herrschen Zustände, gegen die Frauen aufbegehren. 16 - 18 Stunden Heimarbeit bei niedrigsten Löhnen sind für viele Frauen an der Tagesordnung. Seit einem Jahr ist es Frauen gesetzlich erlaubt, politische Vereine zu bilden. In Bad Reichenhall werden die Hessingbahn eröffnet und der Kurverein gegründet. Und dann ist da noch etwas ...

Wir treffen uns in einem alten Schulzimmer im Rathaus. Die meisten von uns dürfen ja nicht alleine ausgehen, deshalb sind immer unsere Männer dabei. Und natürlich der Pfarrer. Alle passen auf, dass wir ja keine Dummheiten machen (lacht). Zur Gründung unseres Frauenbundes hat das Reichenhaller Tagblatt geschrieben: "Es war ein kleiner, aber auserlesener Kreis von Damen aus allen Ständen Reichenhalls erschienen." Aber wir ziehen uns nicht so unanständig an wie Sie dort (deutet zur Gemeinde). Wir sind ehrbare Frauen, sittsam, fromm, aber (verlegenes Lachen), um ehrlich zu sein, auch nicht immer gehorsam. Es ärgert mich, dass meist nur die Männer bei unseren Frauenversammlungen reden. Das müssen wir ändern. Wir streben schließlich nach Unabhängigkeit. Von der Amtskirche und von unseren Männern.

1910 - 1919
1919, Frauenwahlrecht, Suffragetten
Frauen sind 1919 erstmals gleichberechtigte Teilnehmerinnen beim Katholikentag. Das Frauenwahlrecht wird eingeführt. Von 412 Abgeordneten der Nationalversammlung sind nur 37 Frauen, davon vier führende KDFB-Mitglieder. Eine von ihnen ist die bekannte Helene Weber, eine der späteren Mütter des Grundgesetzes. Der Landesvorsitzenden Ellen Ammann gelingt der Einzug in den Bayerischen Landtag. Alle sechs weiblichen Abgeordneten der bayerischen Volkspartei sind mit dem Katholischen Deutschen Frauenbund verbunden. Die politische Betätigung ist den Frauenbundfrauen enorm wichtig.

Endlich dürfen wir Frauen jetzt auch zur Wahl gehen. Was für ein Gefühl! Und welch ein Segen, dass der große Krieg nun, nach vier harten Jahren, endlich vorbei ist. Wir im Frauenbund streben nach weiteren Veränderungen. Wir wollen bessere Arbeitsbedingungen und Löhne für uns Frauen. Was wir alles leisten, wird doch von den Männern überhaupt nicht anerkannt. Die finden es höchstens anmaßend und ungeheuerlich, dass wir es wagen, auch wie sie in der Öffentlichkeit zu rauchen. Sie finden uns unweiblich und vergleichen uns Frauenbundlerinnen mit Mannweibern und Suffragetten. Aber wir geben nicht nach. Wir kämpfen, wir hoffen und wir beten.

1920 - 1929
Die Goldenen 20er Jahre
Die Zwanziger Jahre sind nicht nur golden. Die Siegermächte des ersten Weltkriegs bürden der deutschen Bevölkerung mit dem "Versailler Vertrag" erdrückende Lasten auf. Die Inflation erreicht 1923 einen Höhepunkt. Viele Menschen sind bitterarm. Leserinnen der Frauenbund-Zeitung zahlen Beiträge in Form von Eiern, Mehl und Butter. Der Frauenbund gründet die "Mittelstandshilfe", die notleidenden Familien mit Lebensmitteln und Geld aushilft, außerdem die Heimarbeitsvermittlung und die Müttererholung. Die Gründerin des Katholischen Deutschen Frauenbundes, Ellen Amman, vereitelt am 09.11.1923 den geplanten Hitlerputsch, von dem sie zufällig erfährt Sie holt erreichbare Regierungs- und Parteimitglieder in die Räume der sozial-caritativen Frauenschule und kann zusammen mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Franz Matt den Putsch verhindern. Der KDFB bezieht klar Stellung gegen die Nazis: Die Reichstagsabgeordnete Thusnelda Lang-Brumann schreibt 1929 in der Frauenbund-Zeitung "Lasst uns nicht nach rechts und nicht nach links hören. Mit Geschimpf und fruchtlosem Kritisieren, wie die Hitlerleute tun, ist dem deutschen Volk und uns und unseren Kindern nicht zu helfen."

Nach wie vor halten uns im Reichenhaller Frauenbund vor allem die Männer Vorträge. Die Regierung bezeichnet uns Frauen als "mithelfende Familienangehörige". Mithelfend, pah! Manchmal denke ich, wir tragen die Hauptarbeitslast. Haus, Garten, Geflügelhaltung, Stall, Viehaufzucht und Feldarbeit, dazu das Kochen, die Wäsche und die Kinder – das alles sehen die Männer nicht. Dabei haben wir vom Frauenbund in Reichenhall schon richtig viel erreicht. 1925 haben unsere Milchkühe 11.400 Liter Milch für 450 Säuglinge gegeben. Wir finanzieren eine Schwester, stricken und nähen Kleidung für bedürftige Familien und betreuen Einsame und Kranke. Unsere Jugend ist auch dabei, sie sorgt mit ihren Theaterstücken für das nötige Kleingeld.

1930 - 1939
Die Nazis wollen den Frauenbund am liebsten verbieten. Zumindest soll er gleichgeschaltet, also in die NS-Frauenschaft und das Deutsche Frauenwerk integriert werden. Der Frauenbund setzt sich zwar erfolgreich zur Wehr, aber seine Arbeit wird immer mehr beschnitten. Seine Haus- und Landfrauenvereinigungen werden verboten, ebenso die Gründung neuer Zweigvereine. Der Jugendbund des Frauenbundes darf sich nur noch in Gruppen bis zu fünf Personen treffen. Er geht in den Untergrund. Sozialpolitisches Engagement ist nicht mehr erlaubt. Es hagelt Verbote, Strafanzeigen und Vernehmungen durch die Gestapo. In ganz Deutschland wird das Schulkreuz verboten, nicht aber in Bayern. Das setzt der Frauenbund durch.

Jetzt haben wir das Jahr 1939 und die politische Situation wird immer ärger. Viele trauen sich aus Angst vor den Nazis nicht mehr, zu sagen, was sie denken. Aber unser Frauenbund lässt sich den Mund nicht verbieten. In unserer Verbandszeitung schreiben sie: "Die Rettung aus schwerer Zeit kann nicht kommen von Hakenkreuz und Sowjetstern". Tja, wenn es nach den Nazis geht, soll sich eine Frau am besten still verhalten und ununterbrochen Kinder kriegen. Hitler sagt: "Jedes Kind, das sie zur Welt bringt, ist eine Schlacht, die sie besteht für das Sein und Nichtsein ihres Volkes." Wir vom Frauenbund werden überwacht. Und es macht mich besonders traurig, dass die Überwachung durch die NS-Frauenschaften noch schlimmer ist als die durch Polizeikommissare. Wir halten dennoch durch. Dass wir uns nur noch in der Kirche versammeln dürfen, macht uns nichts aus, die Kirche ist für uns ein wunderbarer Raum.

1940 - 1949
1949, Vierziger Jahre
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Aktivitäten des Frauenbundes durch Hilfsleistungen geprägt. Das zeigten z.B. "Die Katholische Frauenhilfe für Kriegsopfer" oder der Appell an Frauen, heimatvertriebene Frauen besonders herzlich aufzunehmen. Frauenbund-Mitglieder können ab 1947 leichteren Zugang zu Ämtern und Arbeit finden, denn dem Frauenbund wird mit dem sogenannten "Persilschein" politische Unbedenklichkeit bescheinigt.

Der unselige Krieg ist zu Ende. Aber es schaut immer noch bös aus bei uns. Jetzt redet keiner mehr davon, dass wir Frauen in die Küche und zu den Kindern gehören. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau wurde sogar im Grundgesetz festgelegt. Wahrscheinlich haben die da oben das nur gemacht, damit wir genauso schwer arbeiten dürfen wie die Männer. 400 Mil. Kubikmeter Schutt müssen die Trümmerfrauen in den großen Städten aufarbeiten. Alle Frauen von 15 – 50 müssen ran. Gibt ja auch kaum noch Männer, die das übernehmen könnten. Seit den Kriegsjahren müssen wir Frauen jetzt Männerarbeit verrichten, egal, ob auf den Feldern oder in den Fabriken, selbst bei der Feuerwehr sind Frauen. Nichts ist mehr mit Kochtopf und Strickzeug. Niemand fragt, wie es unseren Rücken und Händen geht. Die armen Kinder, für die haben wir gar keine Zeit mehr, die müssen so nebenher laufen, genau wie der Haushalt. Wenn das die Gleichberechtigung ist, verzichte ich gerne drauf.

1950 - 1959
50er Jahre, Rock'n Roll, 1959 Das Jahr 1957 ist ein für alle Frauen bedeutendes Jahr. Bis jetzt war laut Gesetzbuch der Mann das Haupt der Familie. Er allein hatte zu bestimmen, auch über die Kinder und das Vermögen seiner Frau. Das wird nun geändert. Allerdings dürfen die Frauen nur arbeiten gehen, wenn sie dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbaren können. Die Frau trägt weiterhin den Familiennamen des Mannes und die gesetzliche Vertretung des Kindes bleibt dem Mann vorbehalten. Die Ansicht des Vaters gilt weiterhin als entscheidend.

Mit Deutschland geht's bergauf. Die Wirtschaft boomt, die Deutschen sind Fußballweltmeister in Bern geworden, und die moderne, neue Musik ist einfach großartig. Ich liebe Elvis Presley, Peter Kraus und Gitte Haenning! Tja, und wir Frauen dürfen nicht nur endlich in Ehe und Erziehung mitentscheiden, sondern sogar selber über unser eigenes Vermögen verfügen. Das ist ein gewaltiger Schritt nach vorne.

1960 - 1969
In den sechziger Jahren findet das Zweite Vatikanische Konzil statt. Viele Hoffnungen werden geweckt, leider nicht ganz so viele erfüllt, so auch die auf einen Diakonat der Frau. Und ein Arzneimittel erobert den Markt, das eine revolutionäre Umwälzung in der Gesellschaft hervorrufen wird: Die Antibabypille. Maria Dycka, Frau 7: Was für ein Segen. Ich habe endlich die Pille bekommen. Wir haben ja schon vier wunderbare Kinder. Unsere Wohnung platzt aus allen Nähten, das Geld ist knapp, noch ein Kind hätten wir kaum verkraften können. Gut, dass ich schon über dreißig bin, sonst hätte ich die Pille vom Arzt gar nicht bekommen. Aber jetzt ich weiß nicht, ob ich mich trauen soll, dem Pfarrer zu beichten, dass ich die Pille nehme. Die Kirche verbietet doch die Verhütungsmittel rigoros. Im Reichenhaller Frauenbund tut sich in den Sechziger Jahren noch etwas Bedeutsames.

1969, gründet der Reichenhaller Frauenbund die Familienpflege. Familien zu unterstützen, für die Kinder zu sorgen, wenn die Mutter ausgefallen ist, das ist wirklich eine Lebensaufgabe. Ein Segen, dass es jetzt die Familienpflege gibt!

1970 - 1979
Bisher war eine Ehefrau in erster Linie eine Hausfrau. Der Frauenbund setzt sich 1976 dafür ein, dass sich das endlich ändert. Die Reform tritt 1977 in Kraft.

Ich bin bestimmt keine Emanze wie die Alice Schwarzer mit ihrer Zeitschrift "Emma", aber ich finde es großartig, dass ich nicht mehr meinen Mann fragen muss, ob ich arbeiten gehen darf. Und ich darf endlich ein eigenes Konto haben. Nicht nur für mein Eiergeld, sondern auch für das andere, was ich mir richtig selber verdiene. Es ist wunderbar. Ob ich mein Geld spare oder mir was davon kaufe, das darf ich nun selber entscheiden. Herrlich!

1980 - 1989
In den Achtziger Jahren macht sich der Frauenbund dafür stark, Mädchen als Ministranten einzusetzen. In Berlin wird das erste Frauenhaus eröffnet. Auch auf Betreiben des Frauenbundes wird die Leihmutterschaft verboten und die Rente für Frauen neu geregelt. Für jedes Kind wird ein Erziehungsjahr angerechnet. Die Frauenbund-Aktion "Mütter gegen Atomkraft" wird ins Leben gerufen, ausgelöst durch das Unglück von Tschernobyl im April 1986. Erika, Frau 10: 1981 richtet unser Frauenbund den Krankenhausbesuchsdienst ein, eine segensreiche Einrichtung, die nicht nur den Kranken viel Freude macht. Auch wir, die wir die Menschen besuchen, profitieren von den oft berührenden Gesprächen. Außerdem hat der Frauenbund den Gebrauchtkleidermarkt gegründet, die erste Veranstaltung dieser Art im Berchtesgadener Land. Heute sind unsere Kleidermärkte, die zweimal im Jahr stattfinden, und auch unser Spielzeugmarkt, nicht mehr wegzudenken. Dass sie überhaupt stattfinden können, ist dem Einsatz vieler freiwilliger Helferinnen zu verdanken. Und der Erlös ist immer für soziale Zwecke bestimmt.

1990 - 1999
Die Vergewaltigung in der Ehe wird 1995 zum Straftatbestand. Der Frauenbund startet die Kroatienhilfe und protestiert gegen Fremdenfeindlichkeit. Und im Reichenhaller Zweigverein übernimmt wieder eine neu gewählte Frau das Zepter.

Die Vorsitzenden des Frauenbundes werden für vier Jahre gewählt. Schön, wenn dann die nächste Vorsitzende kommt. Manchmal dauert es allerdings etwas länger, bis man eine Nachfolgerin findet. Das kann auch schon mal 17 Jahre dauern … wie bei der Vorsitzenden, die 1990 den Vorsitz übernimmt … Außerdem wird die Zeitschrift "Engagiert" seit 1998 als eigene Zeitung des bayerischen Landesverbandes herausgegeben. Eine interessante und wichtige Zeitschrift, die sich mit aktuellen religiösen, frauen- und gesellschaftspolitischen Themen befasst. Ich freue mich immer, wenn die neue "Engagiert" im Postkasten liegt.

2000 - 2009
Atempause, Oberstadtler Frauen

Ab 2007
veranstaltet ein Frauenbundmitglied einige Jahre lang die wohltuende, ruhige "Atempause" in der Pidinger Kirche Maria Geburt. Hier geht es um Zuhören, Innehalten und Kraft tanken. Es wird zu einem bestimmten Thema meditiert, eigene Gedanken finden Raum und Gehör. Eine kurzweilige halbe Stunde mit Langzeitwirkung!

Die "Oberstadtler Frauen" gibt es schon seit einer gefühlten kleinen Ewigkeit in Bad Reichenhall, tatsächlich seit 1983. Unser soziales Engagement für Bedürftige und soziale Projekte vor allem in unserer Region passt gut zu dem vom Frauenbund, wir haben immer schon zusammen gearbeitet. Drei Zahlen mögen unsere Arbeit verdeutlichen: Geschätzte 50.000 Gläser mit Marmeladen und Chutney, 22.800 Arbeitsstunden, 250.000 € Spenden in 38 Jahren. Und seit 2007 gehören wir nun auch offiziell zum Frauenbund.

2009
haben wir 100 Jahre Frauenbund gefeiert und anlässlich dieses Jubiläums ein Buch herausgebracht, in dem Rezepte und Tipps für Leib und Seele enthalten sind. Es war sehr erfolgreich, auch die zweite Auflage wurde restlos verkauft. 2009 – 2019

Die letzte Dekade Vieles, von dem Frauen in Deutschland vor hundertelf Jahren nur träumen konnten, ist heute längst erreicht und selbstverständlich. Nach über hundert Jahren Begleitung durch einen männlichen Geistlichen Beirat hat der Frauenbund in Bad Reichenhall mit der Gemeinderätin Gabi Angerer zum ersten Mal eine Geistliche Beirätin. Jetzt erst ist der Frauenbund ganz in weiblichen Händen. 2005
wird Angela Merkel die erste Bundeskanzlerin. Ein wichtiges Zeichen, liegt doch der Anteil an weiblichen Regierungschefs und Oberhäuptern weltweit bis heute unter 10 Prozent. Längst beschränken sich die politischen Ressorts der Frauen nicht mehr nur auf Familie, Kultur und Soziales. Ursula von der Leyen war die erste Frau im Verteidigungsministerium, heute ist sie EU-Kommissions-Präsidentin. Sabina, Frau 15: Auch aus unserem Landkreis mischen Frauen in der Politik mit, so wie Dr. Bärbel Kofler aus Freilassing. Sie ist Bundestagsmitglied und seit 2016 Beauftragte für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe. Oder unsere Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber aus Bayerisch Gmain. Auch Frauenbundfrauen sind dabei, derzeit z.B. vier Staatsministerinnen für die Bereiche Digitales, Kultur, Medien, Integration und Justiz und Verbraucherschutz. Und die Präsidentin des Deutschen Frauenbundes, Maria Flachsbarth, wurde 2018 zur Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ernannt.

Trotzdem ist gerade mal ein Viertel der Abgeordneten des Bayerischen Landtags weiblich. Und von 16 Ministerpräsidenten sind nur zwei Frauen: Malu Dreyer in Rheinlandpfalz und Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern.

Auch die Kommunalpolitik ist immer noch eine Männerdomäne. Weibliche Bürgermeister in Deutschland gibt es weniger als zehn Prozent. Und was ist mit dem Diakonat für Frauen? Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil warten wir darauf. Andrea Schmid, Frau 18: Da müssen wir wohl noch länger warten. Dabei gab es schon in den ersten Jahrhunderten der Kirche Diakoninnen, eine, Phoebe, wird sogar in der Bibel erwähnt. Und den diakonischen Dienst verrichten Frauen schon immer, ob beim Dienst an der Tafel, im Hospiz oder bei der Caritas. Vielleicht ergibt sich nun eine Chance durch den "Synodalen Weg". Papst Franziskus hat immerhin eine Fachkommission zum Thema Frauendiakonat eingesetzt.

Altbewährtes bewahren, aber auch neue Wege wagen, das ist die Richtung, die der Frauenbund in Bad Reichenhall eingeschlagen hat. Ob beim schlimmen Hochwasser 2013 in Freilassing oder dem Flüchtlingsstrom 2015, der Frauenbund unterstützt und packt mit an. "Maria 2.0" und "Maria schweige nicht" sind Frauenbundthemen, die uns Gläubige alle angehen. So, wie es Frauenbundfrauen seit über 100 Jahren getan haben, wollen auch wir heute eine Meinung haben, hinter der wir stehen und die wir vertreten. Die Geschichte zeigt, dass der Katholische Deutsche Frauenbund immer schon gesellschafts- und kirchenpolitisch war. Dieser Tradition fühlen wir uns in unserem Zweigverein verpflichtet. Wir verwahren uns gegen Gewalt und Intoleranz, gegen Ausgrenzung, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Hetze. Wir stehen gemeinsam mit dem Bayerischen Landesverband ein für die Bewahrung der Schöpfung und eine zukunftsfähige, geschwisterliche Kirche, in der Frauen und Männer gleichberechtigt sind und in gleicher Weise Verantwortung übernehmen. Wir wollen das zur Sprache bringen, was uns unter den Nägeln brennt und wo wir Handlungsbedarf sehen.

2020
Frauenbund heute

Vor 111 Jahren wurde unser Frauenbund in Bad Reichenhall gegründet. Vieles hat sich gewandelt. Manches, für das die Frauen vor uns gekämpft haben, ist für uns heute selbstverständlich. Dafür gilt es jetzt wieder um andere Dinge zu streiten. Das Grundthema unseres Frauenbundes aber ist bis heute gleich geblieben: Mit Gottes Hilfe zusammen und für einander da sein.

Kardinal Döpfner sagte vor etwa 40 Jahren etwas, das auch heute noch gilt und einen wunderbaren Schlusssatz darstellt: "Wenn es den Frauenbund nicht schon gäbe, müsste er heute gegründet werden."